Bosnien: Ajisa erzählt

Ajisa in Bosnia

Anlässlich des 25. Geburtstages unseres Büros in Bosnien- Herzegowina berichtet Ajisa, eine unserer Freiwilligen, von ihrem Besuch vor Ort:

„Ich heisse Ajisa. Ich bin 19 und studiere Wirtschaft und Management.

Ich habe die Teams von Islamic Relief Schweiz vor einigen Monaten kennengelernt, ich wollte mich freiwillig engagieren. Als ich erwähnte, dass ich meine Sommerferien in Bosnien verbringen würde, haben sie mir vorgeschlagen, vor Ort die Islamic Relief Teams zu treffen, um ihre Projekte kennenzulernen.

Ich habe also zwei Tage mit den Islamic Relief Teams in Bosnien verbringen können.

Der erste Tag fing damit an, dass ich einige Teammitglieder kennenlernen durfte, nachdem ich bereits sehr herzlich von Amra in Empfang genommen worden war. Im Anschluss haben wir eine von Islamic Relief Schweiz unterstützte Familie besucht: die Familie Hodzic.

Wir wurden sehr nett begrüsst und in eine kleine und sehr bescheidene Wohnung geführt.

Die Mutter der Familie, die sehr krank ist, Schwierigkeiten hat, zu laufen, und das Appartment seit einem Jahr nicht verlassen hat, erzählt uns ihre Geschichte.

Trotz der Tränen, die ihr über das Gesicht laufen, findet sie die Kraft, uns zum Lachen zu bringen! Ich bin beeindruckt von ihrer Stärke, ich lausche mit offenem Mund und weiss wirklich nicht, was ich ihr sagen soll.

Anschliessend ergreift der Sohn das Wort. Ein junger Mann, in dem ich meine Freunde und mich selbst wiedererkenne: ungefähr 20 Jahre alt, Student. Aber die wirtschaftlichen Umstände, in denen er lebt, unterscheiden sich stark von unseren. Ich werde mir bewusst, wie glücklich wir uns schätzen können und wie viele andere davon träumen. Er steht neben seiner Mutter und schon nach einigen Worten hat er einen Kloss im Hals, schafft es nicht, uns seine Geschichte zu erzählen, ohne dabei zu weinen.

Amra, Amina und Izudin reden mit der Familie, versuchen, so viel moralischen Beistand zu leisten, wie möglich. Ich bin immer noch voller Emotionen und sage nichts. Still beobachte ich die Stärke dieser Familie und die wundervolle Arbeit von Islamic Relief.

Wir verlassen die kleine Wohnung und als wir den Gebäudeausgang passieren, fragt Izudin mich, wie es mir geht. Ich sage nur: „Ich weiss es nicht”. In mir spielen die Gefühle verrückt. Ich bin glücklich, dass die Spender und Spenderinnen es ermöglichen, dass bedürftigen Familien geholfen werden kann, bewundere die Arbeit des Teams von Islamic Relief, bin traurig über den schlechten Gesundheitszustand der Mutter, den Schmerz des Sohnes,…

Dann habe ich den Direktor von Islamic Relief Bosnien getroffen. Er hat mir die Geschichte des Islamic Relief Büros in Bosnien erzählt und von der Bedeutung, die es seit nunmehr 25 Jahren für die dortige Bevölkerung hat. Während seines Berichts fühle ich wirklich, dass Islamic Relief Schweiz in all diesen Jahren viel zum Erfolg der durchgeführten Projekte in Bosnien beigetragen hat.

Abschliessend habe ich mich mit der Psychologin von Islamic Relief unterhalten, die mit Waisenkindern und Witwen arbeitet. Im Gespräch mit dieser Frau ist mir das Ausmass des psychologischen Leids dieser Mütter und ihrer Kinder erst wahrhaftig bewusst geworden. Tatsächlich ist dieser unsichtbare Schmerz zwar nicht offensichtlich, wenn man diesen Familien gegenübersteht, doch verfolgt er so viele von ihnen auf Schritt und Tritt.

Am zweiten Tag haben wir eine Familie und ein Waisenkind an ihrem Arbeitsplatz besucht.

Viele humanitäre Organisationen verschlossen der Familie die Türen, da sie die Kriterien für den Status bedürftiger Menschen nicht erfüllte. Doch trotz ihres atypischen Profils benötigt sie sehr wohl Hilfe. Islamic Relief hat das verstanden. Es handelt sich um ein älteres Paar – Grosseltern, die mit eingeschränkten finanziellen Mitteln ihr Bestes geben, ihre fünf Enkelkinder zu ernähren (darunter einige mit gesundheitlichen Problemen), die von ihrem Vater verlassen wurden und deren Mutter verstorben ist.

Am Ende des zweiten Tages hatte ich ein Gespräch mit dem Programmverantwortlichen von Islamic Relief. Dabei wurde mir ein sehr wichtiges Prinzip deutlich, das Islamic Relief zu respektieren versucht: „intelligent helfen”.

Das bedeutet, dass es nicht darum geht, zu helfen, um zu helfen, oder wahllos irgendjemandem auf irgendeine Art und Weise zu helfen. Es geht vielmehr darum, die Bedürfnisse gefährdeter Bevölkerungsgruppen sehr genau zu bestimmen, und zur positiven Entwicklung dieser beizutragen. Auf keinen Fall dürfen sie in ihren prekären Situationen verbleiben, die Unterstützung bei der Erfüllung grundlegender Bedürfnisse muss dazu ihr ganzes Leben lang gesichert werden. Das ist beispielsweise bei zwei grossen Programmen der Fall: das der Patenschaften für Waisenkinder (die Hilfsleistungen enden nicht bei Volljährigkeit, sondern bei Abschluss der schulischen Ausbildung) und das der Gewächshäuser. Islamic Relief setzt einen starken Schwerpunkt auf Bildung, denn sie ist es, die den Weg zu einer aktiveren, gebildeteren Bevölkerung ebnet, Angehörige derer manchmal selbst eines Tages als Spender und nicht mehr als Begünstigte zu Islamic Relief zurückkehren. Das zweite Projekt richtet sich an Menschen, die zwar nicht über die nötigen Mittel, aber über einen starken Drang zum Arbeiten verfügen, zum Sich-selbst-ernähren, zur Schaffung eines eigenen Einkommens, zum Austritt aus der Abhängigkeit von Spenden. Islamic Relief ermöglicht es ihnen, Gewächshäuser zu bewirtschaften, landwirtschaftliche Geräte zu nutzen und dabei begleitet zu werden, damit sie ihre eigenen Plantagen entwickeln und davon im Anschluss leben können.

Das lässt mich an ein altes Sprichwort denken: „Wenn du einen Mann siehst, der Hunger hat, gib ihm einen Fisch: Du machst ihn für einen Tag satt. Aber wenn du ihn das Fischen lehrst, wird er sein ganzes Leben lang satt sein.”

Auch Sie können Islamic Relief in Bosnien unterstützen.

150 SFR schenken einem älteren Menschen oder einem Menschen mit Behinderung ein grundlegendes Hilfspaket (Nahrung+ lebensnotwendige Produkte)

200 SFR schenken einer Waisenfamilie warme Kleidung und Brennholz.

Spenden